Was bedeutet eigentlich Bojagi ?

Das Wort Bojagi ist koreanisch und bedeutet soviel wie Wickel - oder Abdecktuch. Bojagi haben eine wichtige Rolle in der traditionellen koreanischen Kultur gespielt  und wurden zum Einwickeln, Tragen und Aufbewahren von Gegenständen sowie für religiöse Rituale und Eheschliessungen verwendet. Diese funktionalen Gegenstände wurden nicht als Zeitvertreibshobby hergestellt, sondern waren ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens. Bojagis können aus edlen Stoffen hergestellt und mit aufwendigen Stickereien verziert sein oder aber auch aus Fetzen zusammen gefügt worden sein.

Bojagis wurden hauptsächlich von Frauen genäht. In dem patriarchalischen Systems Koreas verloren Frauen ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit und wurden auf die Rolle der Ehefrau reduziert. Sie führten im wesentlichen ein von Männern isoliertes Leben und verbrachten die meiste Zeit damit, sich um ihr Zuhause zu kümmern und mit Sorgfalt und Sparsamkeit mit ihren Haushaltsgegenständen umzugehen. Frauen nähten die Kleidung für ihre Familien und bewahrten alle Reststoffe auf. Diese wurden dann sortiert und zur Herstellung von Wickeltüchern für den Haushalt verwendet.

Das Wort BO bedeutet Glück oder Vermögen einwickeln. Mütter schenkten ihren Töchtern oft Bojagis zur Hochzeit, da die Töchter mit einer Heirat oft von ihren Herkunftsfamilien getrennt wurden. Die Herstellung von Bojagis lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückführen. Selbst die ganz historischen Tücher erinnern an zeitgenössische abstrakte Kunstwerke. Bojagi kann aus nur einer oder zwei Schichten Stoff bestehen. Farbige, transparente Bojagis lassen sofort an Buntglas erinnern. Heutzutage werden oft schlichte Stoffe verwendet um mutige Designs mit einer perfekt ausgewogenen grafischen und farblichen Harmonie umzusetzen.

Neuzeitliche Bojagis sprechen heutzutage gleichermaßen für modernes Quilten. CoVAK zeigt die Bojagis der Hamburger Künstlerin Kerstin Bruchhäuser. Mehr zu Kerstin und Ihren Arbeiten erfahren Sie hier.